Eine Schultüte zum Schulanfang



AK Mädchen mit SchultüteKönnt ihr euch noch an eure Schuleinführung, an euren ersten Schultag erinnern, an die Angst Mamas Hand loszulassen und an die Vorfreude auf die große, bis zum Rand gefüllte Schultüte? Ja, an meine Schuleinführung denke ich noch so manches Mal zurück. Aber ich habe nie darüber nachgedacht, seit wann es eigentlich Schultüten gibt. Erst kürzlich, als ich auf alten Postkarten mit guten Wünschen zum Schulanfang auch Schultüten sah, begann ich zu recherchieren, wann und wo dieser Brauch wohl entstanden ist.

Könnt ihr euch noch an eure Schuleinführung, an den ersten Schultag erinnern, an die Angst Mamas Hand loszulassen und an die Vorfreude auf die große, bis zum Rand gefüllte Schultüte? Ja, an meine Schuleinführung denke ich noch so manches Mal zurück. Aber ich habe nie darüber nachgedacht, seit wann es eigentlich Schultüten gibt. Erst kürzlich, als ich auf alten Postkarten mit guten Wünschen zum Schulanfang auch Schultüten sah, begann ich zu recherchieren, wann und wo dieser Brauch wohl entstanden ist.

Schultüten in Sachen und Thüringen

Sachsen und Thüringen sind vermutlich die Bundesländer, in denen der Brauch, Kindern den Start in ihr Schulleben mit einer Schultüte zu versüßen, entstanden ist. In alten Quellen ist zu lesen, dass bereits 1817 ein kleiner Schulanfänger in Jena (Thüringen) mit einer „Tüte Konfekt“ überrascht wurde. Im Jahre 1820 gab es die ersten Schultüten (wegen ihres überwiegend süßen Inhaltes auch Zuckertüten genannt) in einer Dresdener Bäckerei zu kaufen. Allerdings gibt es keine genaueren Informationen darüber, ob die damaligen Schultüten schon genauso aussahen wie in den letzten Jahren, denn Fotografien und Ansichtskarten gab es noch nicht. Aber ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden erste Bücher über Schul- oder Zuckertüten, z. B. das Bilderbuch „Zuckertütenbuch für alle Kinder, die zum ersten Mal in die Schule gehen“. In den Büchern wurde von Zuckertütenbäumen berichtet, die im Schulhause stehen und wachsen und wachsen, bis die kleinen Schulanfänger die „ausgewachsenen“ Zuckertüten am ersten Schultage „pflücken“. Durch die Einführung der Schulpflicht als Staatsaufgabe im Jahre 1871 verbreitete sich der Brauch, Kinder am ersten Schultag mit einer Schultüte zu überraschen, recht schnell auch über die Grenzen von Sachsen und Thüringen hinaus.

Fabrikmäßig wurden die ersten Schultüten in der Firma Nestler, in Wiesa (Sachsen) ab 1910 produziert. Und ungefähr aus dieser Zeit stammen auch die Ansichtskarten und Fotos, die ich euch hier zeigen möchte.

Die Form der Tüten war unterschiedlich, anfangs eher rund, später auch häufig sechseckig. Es gab große und kleine – je nach Geldbeutel von Papa und Mama, Oma und Opa oder Patentante und Patenonkel. Dass der erste Schultag und die damit verbundene Schultüte früher wie heute von ganz großer Bedeutung sind, davon berichtete auch Erich Kästner viele Jahre nach seiner Einschulung (Kästner, Erich (1957): Als ich ein kleiner Junge war. Dressler Verlag Hamburg 2011. S.89f.):

„Herr Bremser setzte uns, der Größe nach, in die Bankreihen und notierte sich die Namen. Die Eltern standen dichtgedrängt, an den Wänden und in den Gängen, nickten ihren Söhnen ermutigend zu und bewachten die Zuckertüten. Das war ihre Hauptaufgabe. Sie hielten kleine, mittelgroße und riesige Zuckertüten in den Händen, verglichen die Tütengrößen und waren, je nachdem, neidisch oder stolz. Meine Zuckertüte hättet ihr sehen müssen! Sie war bunt wie hundert Ansichtskarten, schwer wie ein Kohleneimer und reichte mir bis zur Nasenspitze! Ich saß vergnügt auf meinem Platz, zwinkerte meiner Mutter zu und kam mir vor wie ein Zuckertütenfürst. Ein paar Jungen weinten herzzerbrechend und rannten zu ihren aufgeregten Mamas. Doch das ging bald vorüber. Herr Bremser verabschiedete uns; und die Eltern, die Kinder und die Zuckertüten stiefelten gesprächig nach Hause. Ich trug meine Tüte wie eine Fahnenstange vor mir her. Manchmal setzte ich sie ächzend aufs Pflaster. Manchmal griff meine Mutter zu. Wir schwitzten wie die Möbelträger. Auch eine süße Last bleibt eine Last.“

Wie sieht es bei euch aus? Könnt ihr euch noch an euren ersten Schultag und an eure Schultüte und deren Inhalt erinnern?



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Postkartendetektivin

Annett Leisau begleitet ihren Mann seit vielen Jahren bei der Suche nach besonderen und außergewöhnlichen Post- und Ansichtskarten und ist immer interessiert am gedanklichen Austausch mit anderen Sammlern. Seit Kurzem bietet sie als Postkartendetektiv ihre Post- und Ansichtskarten auch im Onlineshop: www.postkartendetektiv24.de an.
Zudem betreut Annett Leisau im Geschäftsbereich Corporate Blogging der OMNYSS-Unternehmensberatung die inhaltliche Konzeption und die On-Page-Suchmaschinenoptimierung von Firmenblogs und führt die Schulung zukünftiger Blogger durch.

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2 Antworten

  1. Ein toller Blogartikel. Ich habe tatsächlich noch Erinnerungen an meine Schultüte. Auch wenn das schon 46 Jahre her ist. Es gibt nämlich einschlägige Beweisfotos in der „Familienfotokiste“ 🙂

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